Sonntag, 12. August 2018

"Ich hab mal ne Frage..." - Online-Datingportale oder: Manchmal verliert man, manchmal gewinnen andere

Nachstellung des Bildes "Der Liebesbrief" - sozusagen das "Online-Dating" vergangener Tage.


Und wenn Du lange in einen Abgrund blickst, dann blickt der Abgrund auch in Dich hinein.

- Friedrich Nietzsche


Nachricht einer angeblich 23jährigen an mich in einem Online-Datingportal


Bevor sich jemand wundert: Nein, die Frage oben ist nicht von mir, die bekam ich gestellt als "Auftaktsfrage" für einen Online-Chat in einem Datingportal. Von einer angeblich 23 Jahre alten Frau. Wir lassen das auf der Zunge zergehen und fassen zusammen: Eine angeblich 23 Jahre alte Frau fragt einen fast 50 Jahre alten Mann auf einem Online-Datingportal als Gesprächsauftakt danach, wie man Kinder macht.

Herzlich willkommen in der wahnsinnigen Welt des Online-Datings. Ich bin bei Facebook Mitglied der Gruppe "Singles über 40", und da wurde heute ein Artikel der "Zeit" geteilt, in dem es heißt, dass Nutzer bei der Partnersuche im Internet mutiger seien und die Mehrheit Menschen suche, die "außerhalb ihrer Liga" spielen. Sprich: Die Hässlichen suchen die Schönen. Falls jemand den Artikel lesen möchte: Sucht ihn selber. Aufgrund des Leistungsschutzrechts für Presseverleger, das immer noch nicht vom Tisch ist, weigere ich mich, Presseerzeugnisse zu verlinken, weil die dafür Geld haben wollen. Außerdem finde ich die Prämisse schon etwas unverschämt: Man sucht also "außerhalb seiner Liga", so so.

Jedenfalls hat mich der Beitrag dazu inspiriert, eine etwas längere Antwort zu schreiben. Dann fiel mir auf, dass die Antwort wohl etwas länger werden wird und daher dachte ich mir, ich kann ja auch gleich einen Blogartikel schreiben. Soviel zum Zustandekommen dieses Beitrags. Beim Durchlesen der Beiträge zu dem Artikel auf Facebook sind mir ein paar Dinge aufgefallen und deswegen denke ich, es ist Zeit, auch ein paar von meinen Erfahrungen wiederzugeben.


Die Ausgangssituation


Ich habe unterschiedliche Erfahrungen mit Beziehungen. Die meisten meiner Ex-Partnerinnen habe ich "offline" kennengelernt, aber auch eben online. Ein Urteil, was besser ist, kann und mag ich nicht abgeben. Es mag zwar irgendwie stimmig klingen, was in der "Zeit" steht, dass man online auch attraktivere Menschen anspricht, aber früher oder später wird es den Punkt geben, wo man sich "offline" begegnen muss. Das ist dann der Prüfstein. Entweder es funktioniert weiter - oder auch nicht. Aber sowieso gibt es etliche Probleme mit dem Online-Dating. Ich bin mittlerweile bei mehreren Portalen angemeldet, da ich selber noch nicht das ideale gefunden habe - und was ich gefunden habe, gibt leider nicht viel Grund zur Hoffnung.



hey du lust auf ganze Sätze? - Chatanfrage in einem Online-Datinportal




Dating-Portale und ihre unterschiedlichen Funktionsweisen

Datin-Portale werben ja gerne mal mit "kostenlos", aber man muss sehr genau hinschauen, was da "kostenlos" (oder "gratis"). Meistens handelt es sich dabei um eine Art "Grundmitgliedschaft", es ist möglich, Profile anzuschauen und zu markieren und vielleicht hat irgendwelche Kurzgrüße zu verschicken, aber sobald es ans Eingemachte geht, ist es vorbei mit "kostenlos". Dabei gibt es grundsätzlich zwei Modelle:

  1. Das "Premium-Mitgliedschaftsmodell": Hier erwirbt man ein Abonnement über eine bestimmte Zeit, zahlt monatliche Beiträge und bekommt alle Funktionen des Portals freigeschaltet. Das Problem ist hier das gleiche wie in einem Fitnessclub: Wenn man sich anmeldet und zahlt, das Portal aber - aus welchen Gründen auch immer - mal eine zeitlang nicht nutzt, hat man Geld verschwendet.
  2. Das Modell "Zahle pro Leistung": Portale, die dieses Modell nutzen, haben so eine Art "interne Währung". Weiterführende Funktionen, zum Beispiel das Schreiben von Nachrichten, kosten einzeln bestimmte Beträge in dieser Währung. Und man bekommt diese Währung natürlich, indem man sie für echtes Geld kauft. Der Vorteil ist, dass man wirklich nur für das zahlt, das man auch nutzt, und wenn man mal zwei Monate Pause macht, ist die gekaufte "interne Währung" immer noch da, anstatt dass man zwei Monate Mitgliedsbeitrag für nichts bezahlt hat. Der Nachteil ist allerdings: Diese internen Währungen sind meistens selbst sehr teuer und man kann sie nicht in beliebiger Menge nachkaufen, sondern muss immer große Beträge nehmen.
Beide Modelle locken allerdings erstmal mit dem Wort "gratis", das unter Umständen falsche Hoffnungen weckt. Das Problem ist: Hat man ein passendes Profil gefunden, möchte man mit der Person auch Kontakt aufnehmen. Und hier muss man sich sehr genau überlegen, was man dann tut und unter Umständen eben auf eine Kontaktaufnahme verzichtet.




Der statistische Überhang

Das erste Problem möchte ich als "statistischen Überhang" bezeichnen, der Mitgliedern beiderlei Geschlechts unterschiedliche Probleme macht: Es sind nämlich mehr Männer auf der Suche als Frauen. Das heißt, bei Frauen quellen die virtuellen Briefkästen gerne mal über, während sie bei Männern leer bleiben. Umgekehrt geht ein eher durchschnittlicher Mann wie ich in den vielen Anfragen, die Frauen gestellt bekommen, gerne mal unter. Meiner Erfahrung nach sind manche Frauen auch einfach wählerischer, weil sie es sein können. Dabei gehen natürlich auch mal Männer unter, die vielleicht ganz nett gewesen wären. Eine wirkliche Lösung für das Problem kann ich nicht anbieten. Ich weiß nicht, wie ich es machen würde, wenn ich mich vor (echten) Anfragen kaum retten könnte. Männer haben da eher noch ein anderes Problem - dazu komme ich gleich.

Das muss das Äquivalent sein zu den Mails, die von Frauen Bilder von deren Brüsten verlangen.

Fakes

Ich muss hier eine Unterscheidung von "Fakes" und "Legalen Fakes" machen, warum, wird im nächsten Abschnitt klar. Als "Fakes" bezeichne ich hier Profile, die gefälscht wurden mit dem Ziel, ein Mitglied einer Online-Plattform auf eine andere Plattform zu locken. Die Nachrichten von Fake-Profilen sind immer gleich aufgebaut, als erstes wird sich begeistert geäußert über das Profil und "toll, dass Du mich angeschrieben hast" und so weiter... dann kommt der Punkt: Leider, so heißt es weiter, sei ja diese Plattform hier nicht so toll, nur Idioten unterwegs, deswegen würde sich die Angeschriebene wieder abmelden, aber man finde sie bei diesem anderen Online-Datingdienst, der ist gaaaaaanz toll und so völlig anders... Das Ziel ist klar: Mitglieder abwerben.
Den Plattformen ist das Problem natürlich bewusst und deswegen gibt es auch immer einen Button, mit dem man das Profil melden kann, so dass es entfernt wird. Bei Plattformen, die mit der "internen Währung" funktionieren, bedeutet das in der Regel, dass man das Geld, das man für die Kontaktaufnahme verwendet hat, wieder zurückerstattet bekommt. Bei den Mitgliedschafts-Plattformen hat man gelitten. 


Antwort auf die Frage, ob man sich vielleicht auch per eMail schreiben könnte.

Legale Fakes

Legale Fakes sind etwas, das mir sehr dubios vorkommt. Ich nenne deswegen hier keine Namen von Plattformen, aber die Erfahrungen möchte ich schon teilen. "Legale Fakes" sind Fake-Profile, die die Aufgabe hat, den Nutzer zum einen bei Laune zu halten, zum anderen dazu zu verführen, Geld für Mitteilungen auszugeben und zu chatten. Es ist doch merkwürdig, dass ein fast 50 Jahre alter Mann lauter Anfragen von Frauen mit sexy Bildern kriegt, die angeblich erst Anfang 20 sind. Die Nachrichten schreiben, die zum Teil wortgleich sind. Die immer wieder Fragen stellen und einen zu noch einer (zahlungspflichtigen) Antwort bringen wollen. Und wenn man dann fragt, ob man vielleicht auch auf anderen Wegen miteinander kommunizieren könne, behaupten die Frauen, sie seien "nur hier" zu erreichen.
Ich habe für diesen Artikel ein kleines Experiment gemacht, da mir bei einem Portal auffiel, dass ich noch Freundschaftsanfragen offen hatte (von Frauen, die knapp 20 Jahre alt sind, deswegen habe ich die nie beantwortet). Das waren zum Teil Anfragen, die ich schon sehr lange hatte. Deswegen dachte ich mir, ich probiere einfach mal aus, was passiert, wenn ich denen jetzt antworte. Und etwas sehr interessantes geschah. Sehen wir uns mal die Zeiten von Profil 1 an:

Freundschaftsanfrage geschickt am: 13.04.2018 - 16.33 Uhr
Meine Bestätigung kam am:             12.08.2018 - 10.37 Uhr

Um 10.42 Uhr - also knapp fünf Minuten nach meiner Bestätigung - schickte mir Profil 1 eine Nachricht. Ähnlich lief es auch bei drei weiteren Freundschaftsanfragen: Egal wie lang die eigentliche Anfrage schon her war, kurz nach meiner Bestätigung kam eine Nachricht. Das krasseste Beispiel ist das hier:

Freundschaftsanfrage geschickt am: 11.09.2017 - 11.57 Uhr
Meine Bestätigung kam am:             12.08.2018 - 11.15 Uhr (fast ein Jahr später!)
Nachricht an mich kam am:              12.08.2018 - 11.16 Uhr (!!)

Wenn man die genauen Zeiten des letzten Beispiels anschaut, wird es noch krasser: Bei den Zeiten werden nämlich auch die Sekunden angegeben. Das heißt, das angebliche Mitglied aus diesem Beispiel hat innerhalb von 41 Sekunden (!!) registriert, dass ihre Freundschaftsanfrage angenommen wurde, einen Text verfasst, der sechs Zeilen lang ist und diesen abgeschickt.

Nun könnte man sich natürlich furchtbar darüber aufregen, aber: Der Nutzer solcher Portale hat dem ganzen zugestimmt. Ja, tatsächlich! Wie, mögt Ihr jetzt fragen. Na ganz einfach: Es steht in den AGBs, und denen stimmt man zu, wenn man sich auf so einer Plattform anmeldet! Ja, wirklich, hier ein Beispiel solcher AGBs:

Das Unternehmen weist darauf hin, dass im Chat durch das Unternehmen beschäftigte Controller/Controllerrinnen eingesetzt werden und tätig sind, die unter mehreren Identitäten (m/w) am Chat teilnehmen (…).
Alle Äußerungen sowie alle von den fiktiven Profilen angegebenen persönlichen Daten sind Erfindungen der Moderatoren.
Also: Es ist nicht illegal, weil man hat ja zugestimmt. Mehr zu dem Thema - und falls jemand wissen möchte, ob das Portal, auf dem man unterwegs ist, fiktive Profile verwendet - gibt es bei der Verbraucherzentrale NRW in diesem Beitrag.


Von wegen "es kommt nicht auf die Größe an"

Oberflächlichkeiten

Verlassen wir mal die technischen Dinge, denn auch ohne Fakes und Scams gibt es genug Probleme mit Online-Portalen. Gerade vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel beim STAR COMMAND Communiqué veröffentlicht, wo es ebenfalls um Oberflächlichkeiten beim Online-Dating geht. Als Mann, der nicht gerade sonderlich attraktiv ist, bekommt man manchmal mit, dass hinter den Sprüchen, dass es auf den Inhalt und nicht auf die Verpackung ankäme, in manchen Fällen nicht sonderlich viel steckt. Und manchmal kommt die Oberflächlichkeit aus einer Richtung, mit der man gar nicht rechnet.
So habe ich vor einiger Zeit mal jemanden angeschrieben. Ich übertreibe in solchen Mails nicht, denn was bringt's? Wenn ich ein Bild von mir zeichne, das so nicht stimmt, bricht die Lüge spätestens beim ersten Kennenlernen zusammen. Tatsächlich bekam ich eine nette Mail von der Frau zurück und es stellte sich heraus, dass wir in vielen Dingen auch auf einer Wellenlänge liegen. Bevor wir allerdings weitermachen konnten, kam noch eine Mail von ihr. Darin schrieb sie, sie habe sich nochmal mein Profil angesehen und lehne von daher jeden weiteren Kontakt ab. Begründung: Ich sei ihr zu klein. Ich habe daraufhin in ihr Profil geschaut und stellte etwas erstaunliches fest: Ich bin 1,72 m groß - sie war 1,76 m. Ganze vier (!!) Zentimeter. Ein Größenunterschied, der kaum wahrnehmbar ist. Ich habe ihr geschrieben, ob sie das wirklich an vier Zentimetern festmacht, woraufhin ich eine wütende Mail bekam, dass es nun mal nicht geht, das die Frau den Mann "überragt" von ihrer Körpergröße her.

Ja, sie hat tatsächlich "überragt" geschrieben. Stimmt schon, das wäre eine furchtbare Beziehung geworden, wenn ich ständig einen steifen Nacken gehabt hätte, weil ich dauernd zu ihr aufblicken muss... Ernsthaft? "Überragt"? Sonst sind es doch immer die Männer, die ein mordsmäßiges Tamtam um vier Zentimeter machen. Interessanterweise habe ich das gleiche seither mehrfach erlebt - das mit der Größe scheint für viele Frauen irgendwie wichtig zu sein.

Online-Dating würde theoretisch ganz neue Möglichkeiten eröffnen, indem man erstmal ein Gespräch führt, ohne sich direkt treffen zu müssen. Hier könnte man herausfinden, wie das so ist mit der Wellenlänge, welche Dinge dem anderen wichtig sind und so weiter. Leider kommt man oft nicht so weit, weil man schon wegen der Oberflächlichkeiten abgelehnt wird. Ein Teil der Ablehnungen entsteht aber auch aus dem nächsten Punkt.

Sadness surrounds me,
Trauer umgibt mich,

nobody loves me,

kein Körper liebt mich


- EAV: "Liebelei (Pickelking from Ottakring Version)"

Unverschämtheiten

Dass Frauen Kandidaten großzügig "aussortieren", weil sie es statistisch gesehen einfach können, ist nur ein Teil der Wahrheit. Auch dass es Frauen gibt, die irgendwann nicht mal mehr ein Gespräch probieren wollen - wie im vorigen Abschnitt vermerkt -, hat eine weitere Ursache: Die Unverschämtheiten.
Die Anonymität auf den Online-Plattformen hat einen unbestreitbaren Vorteil: Theoretisch kann man sich über viele Dinge, auch eventuell intimeres, unterhalten, ohne dass der andere genau weiß, wer man eigentlich ist. Man ist in einem "geschützten Raum" und wenn man feststellt, dass es nicht funktioniert, kann man sich zurückziehen ohne dass der andere weiß, wer man eigentlich ist.
Leider hat die Anonymität auch einen Nachteil: Manche Menschen drehen in ihrem Schutz nämlich so richtig auf. Männer verschicken Bilder ihres Geschlechtsteils als Gesprächsauftakt oder ihre erste Botschaft lautet unumwunden: "Na, Lust auf f****n?" Dass es Menschen gibt, die dann die Lust am Schreiben vergeht, ist nur zu verständlich.


Dummheiten

Es gibt aber auch die Seite, die Menschen, die etwas naiv alles glauben, was ihnen online so präsentiert wird. In meinem Umfeld konnte ich das einmal beobachten, da jemand aus dem Bekanntenkreis bei einem Online-Portal ein Bild eingestellt hatte, das einen gut gebauten Körper mit Sixpack zeigte. Der Kopf war sinnigerweise auf dem Bild abgeschnitten - es war natürlich nicht sein Körper und sein Sixpack. Im Gegenteil, der Bekannte war so ziemlich das Gegenteil von diesem Bild.
Das Bild zog allerdings erstmal Frauen an. Dann kam es zum Treffen und dem Moment der Wahrheit... möchte man meinen. Auf das Profilbild angesprochen behauptete der Bekannte, es würde sich um ein altes Bild von ihm handeln. Was soll ich sagen? Die Frau hat es ihm abgenommen. Ja, natürlich, klar, altes Bild.
Andersherum habe ich es auch erlebt, wie ein Bekannter von einem Online-Date abgezockt wurde, sie ihm die große Liebe vorgespielt hat, bis sie hatte, was sie wollte - dann verschwand sie.
Man sollte meinen, da es das Internet nun ja nicht erst seit gestern gibt, dass die Menschen mittlerweile vorsichtiger sind. Aber die Existenz von Aufklärungsseiten wie Mimikama beweist, dass das noch nicht überall der Fall ist.

Ich vermute, dass manche Menschen gerade bei Datingportalen bereit sind, mehr zu glauben, denn man ist ja aus einem der tiefsten menschlichen Gründe hier: Die Suche nach Gesellschaft, Partnerschaft oder was auch immer. Menschen sind soziale Wesen und suchen nach Anschluss. Vielleicht lässt das manche unvorsichtig werden. Bis sie eines besseren belehrt werden.


Nachlässigkeiten

Aber auch wenn der erste Anlauf klappt, kann einem merkwürdiges widerfahren: Zum Beispiel, dass die Partnerin plötzlich nicht mehr schreibt, man aber nicht weiß, wieso. Begründung gibt es keine, einfach nur keine Nachricht mehr. In der Wissenschaft nennt man das "Ghosting", also "zum Geist werden". Dabei wäre es doch einfach nur nett, vielleicht ein paar Zeilen zu schreiben, damit der andere weiß, was los ist. Vielleicht hat diejenige ja jemand anderen gefunden oder es ist sonst irgendwas. Einfach nicht mehr zu schreiben ist da ziemlich unhöflich.
In eine ähnliche Kategorie gehören die "Verschieber". Hier ist der Austausch von Mails schon recht weit gekommen und man möchte sich endlich treffen. Man macht einen Termin aus - der andere sagt kurzfristig ab. Kann mal passieren. Sagt man ja noch gar nichts. Man macht einen neuen Termin - wird wieder abgesagt. Auch das kann mal passieren, aber wenn es zum fünften oder sechsten Mal "mal passiert", ist das schon merkwürdig. Entweder ist einem dann das Kennenlernen doch nicht so wichtig, dass man ständig andere Dinge lieber unternimmt oder man ist aus irgendeinem Grund doch nicht bereit für das Treffen in der "echten Welt". Aber auch hier wäre die Lösung so einfach: Ehrlich bleiben! Dem anderen mitteilen, was Sache ist. Aber dieses "ja, ich kann doch nicht, lass uns ein andermal treffen" ist nicht hilfreich.


Entfernungen

Manche Online-Portale erstellen also ganz legal Fakeprofile, wenn es nicht genug echte Profile gibt. Andere wiederum gehen subtiler vor, sie "öffnen" nämlich das Gebiet der Partnersuche. Bei den meisten Portalen ist es so: Man gibt den eigenen Wohnort an und eine Grenze, soll der potentielle Partner 50, 100 oder 150 Kilometer (oder noch weiter) vom eigenen Wohnort entfernt wohnen. Damit ergibt sich allerdings das Problem, dass unter Umständen nicht genügend Singles aus der eigenen Umgebung bei dem Portal angemeldet sind und man sehr schnell keine neuen Profile mehr findet.
Es gibt Portale, die das umgehen, indem sie einfach nur die Daten vergleichen und alle irgendwie passenden Singleprofile schicken, unabhängig vom Ort.
Mir ist das bei einem der Portale passiert, ich bekam Profile zugeschickt von Frauen, die teilweise in Hamburg, Berlin oder Kiel wohnten (ich wohne im Schwarzwald). Zum einen muss ich sagen, dass ich Fernbeziehungen langsam leid bin (ich habe noch keine einzige "Nah-Distanz-Beziehung" gehabt, immer nur auf die Ferne), aber das mag mein persönliches Problem sein. Auf der anderen Seite ist es aber auch etwas utopisch, jemanden ein Profil einer Person zu schicken, die ungefähr 1.000 Kilometer weit weg wohnt. Bevor es da zu einem Treffen kommt, muss man sich ja schon sehr sicher sein, was den anderen betrifft. Als ich dem Service des Portals schrieb, dass ich das nicht gut finde, bekam ich eine verschwurbelte Mail, in der darüber schwadroniert wurde, dass man davon überzeugt sei, dass "Entfernung der wahren Liebe nicht im Weg stehen dürfe". Äh ja, so kann man auch sagen.


Außerhalb der Liga

Ja, darüber muss ich jetzt auch noch was sagen. Auch Patrick Swayze sang schon von der Frau, die "out of my league" sei (in "She's like the Wind"). Aber was bedeutet das schon? Es mag sein, dass man sich im Internet traut, eine Frau anzuschreiben, die man, würde man ihr beispielsweise in einer Bar begegnen, nicht ansprechen würde. Aber liegt darin nicht - bei all den negativen Dingen, die ich hier schon aufgezählt habe - eine wunderbare Chance, jemand auf eine Weise kennenzulernen, wie es sonst nicht möglich wäre? Ich zum Beispiel bin auch nicht der Typ, der spontan und mit einem lockeren Spruch auf den Lippen jemand ansprechen kann. Ich denke viel und gerne und ich muss mich "aufwärmen", bevor es richtig läuft. Schreibend geht das einfacher, außerdem: Wenn man sich dann das erste Mal trifft, weiß man ja schon einiges über das Gegenüber. Mir fällt es dann leichter, überhaupt in ein Gespräch einzusteigen. Für eine spontane Begegnung fällt mir nur das alte, dumme "Hallo, bist Du öfters hier in der Gegend?" ein.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es Frauen gibt, die bei einer ersten Begegnung irgendwie rein instinktiv schon die Unterscheidung machen: Ist das ein potentieller Partner oder läuft es auf Freundschaft raus? Wenn man dort nicht sofort den Wow-Effekt hat (habe ich nicht) und in der Kategorie "potentieller Partner" landet, wird man das später auch nicht mehr. Ich umgekehrt bin jemand, der andere erst kennenlernen muss. Das braucht unter Umständen ein wenig Zeit und beißt sich natürlich mit der schnellen Kategorisierung "Partner oder nicht". Durch das Online-Kennenlernen wird hier unter Umständen schon Vorarbeit geleistet.
Es ist wenig überraschend, aber natürlich kann die wichtigste Aussage hier nur sein, dass man von den Kategorien wegkommen muss. Dass "außerhalb der Liga" kein Grund sein darf, jemanden abzuurteilen. Aber Menschen sind nun mal Menschen, und bis es soweit ist... wir sprechen uns nochmal, wenn ich Rentner bin.


Schlussfolgerung?

Tja, und jetzt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber mein Urteil sieht für die Datingplattformen generell nicht sonderlich gut aus. Mal ganz davon abgesehen, dass man sich sehr genau anschauen muss, wo man sich da anmeldet, um nicht Gespräche mit irgendeinem Mann zu führen, der so tut, als sei er eine 23jährige Frau gibt es nur eins: Geld! Zwischen 30 und 50 Euro muss man für eine Premiummitgliedschaft auf einem Onlineportal pro Monat rechnen. Diese Mitgliedschaften werden dazu noch über einen längeren Zeitraum (mindestens 6 Monate) abgeschlossen und natürlich verlängern sie sich automatisch, wenn man sie nicht rechtzeitig kündigt. Bei Portalen, die mit einer "internen Währung" arbeiten, muss man mit mindestens 150 Euro rechnen für den "kleinsten" Betrag an dieser "Währung". Aber natürlich: Je mehr Geld man zahlt, desto mehr Einheiten in der "Währung" kriegt man (Beispiel eines Portals: 2550 Einheiten - Mindestabnahme - kosten 149,90 Euro, aber 10250 Einheiten kosten 299,90 Euro, das macht einen Unterschied von 6 Cent pro Einheit beim niedrigeren Betrag zu 3 Cent pro Einheit (!) beim höheren Betrag).

Die Portale machen natürlich auch immer groß Werbung mit Paaren, die sich angeblich bei ihnen gefunden hätten und laut einer Statistik aus dem Jahr 2016 haben 35 % aller Befragten ihren aktuellen Partner oder einen Ex-Partner durch das Internet kennengelernt. Aber da sind immer noch 65 % auf der Gegenseite. Und wenn ich mich so umschaue, finde ich im persönlichen Umfeld eigentlich kaum jemand, der seinen Partner so kennengelernt hat.

Und meine eigene Erfahrung muss man hier ein wenig relativieren: Zwar habe ich zwei meiner Ex-Partnerinnen über das Internet kennengelernt, aber die eine nicht auf einem Datingportal, sondern in einem Chatraum aus der Region. Das war also quasi wie sich offline treffen, nur halt im Internet. ;-) Und ja, die andere habe ich tatsächlich auf einem Datingportal getroffen, aber man muss die Realität dagegen halten: Bis zum heutigen Tag - ich habe nachgezählt - habe ich 198 Profile angeschrieben. Davon kam es mit insgesamt fünf zu Plänen, sich zu treffen.Von diesen fünf habe ich mit dreien konkrete Termine ausgemacht. Zum Treffen kam es nur mit einer. Eine hat das Treffen abgesagt und auf weitere Mails nicht mehr reagiert, die andere hat das Treffen verschoben - wieder und wieder und wieder - bis heute.
Von diesen 198 Profilen haben sich zudem 47 als Fakes entpuppt, 36 haben gleich abgelehnt - der Rest (immer noch 110) hat erst gar nicht geantwortet. 12 von diesen 110 haben immerhin in der Form geantwortet, dass mein Profil beim Datingportal von ihnen kommentarlos blockiert wurde.

Auf der Seite der persönlichen Statistik sieht es also nicht so gut aus. Dem Geschäft der Online-Datingportale wird das keinen Abbruch tun, und das allein zeigt, dass auch in einer Welt, die immer mehr von Internet und Elektronik beherrscht wird, der zwischenmenschliche Kontakt wichtig ist. Auch wenn sich die Art und Weise, wie man Leute kennenlernt ändert.

Und was bedeutet das persönlich für mich? Ich weiß es nicht. Ich wollte nur einen Beitrag zur Debatte leisten.

"I... hope, I haven't taken too much of your time."

- aus dem Lied "Mister Cellophane" von Fred Ebb und John Kander aus dem Musical "Chicago"

Samstag, 11. August 2018

Ralph Ruthe: "Sei kein Arsch" - Das Wort zum Sonntag!



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Idee, Zeichnungen, Text, Gesang und Musik: Ralph Ruthe (https://www.ruthe.de
Animation: Falk (https://www.couchkartoffelsalat.de
Backing Vocals: Jasmin Teutrine

Samstag, 4. August 2018

Wieder ein Jahr mehr...



Ich hatte einen sehr entspannten Geburtstag nach Hobbit-Art, es ging HIN UND WIEDER ZURÜCK im See der Nagoldtalsperre, es gab gutes Essen und jetzt den abendlichen Ausklang mit dem Froschmoorstettener Ingwerbier aus dem Südviertel des Auenlandes (alkoholfrei, falls es jemand interessiert), das ich mir extra für diese Gelegenheit aufgehoben habe.

Soundtracks des Lebens: "A House Of Many Rooms" - Mike & The Mechanics