Sonntag, 23. Oktober 2011

Tim und Struppi: Tim und die blauen Orangen [Rezension]



Nach dem Erscheinen des ersten Realfilms dauerte es vier Jahre, bevor 1964 ein weiteres Abenteuer fürs Kino verwirklicht wurde: "Tim und die blauen Orangen".

Inhalt: Professor Bienlein startet über das Fernsehen einen dramatischen Aufruf - alle Wissenschaftler der Erde sollen mitarbeiten, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Daraufhin treffen Waschkörbe mit Briefen in Mühlenhof ein mit Ideen und Vorschlägen. Unter den ganzen Briefen ist ein Päckchen, dem kein Brief beigelegt ist. In dem Päckchen befindet sich eine Orange, die allerdings von blauer Farbe ist und im Dunkeln leuchtet. Der Absender ist ein gewisser Professor Zalamea aus Spanien. Tim, Struppi, Haddock und Bienlein fahren nach Spanien, um dem Geheimis der Orange auf die Spur zu kommen. In Spanien angekommen müssen sie feststellen, dass Professor Zalamea entführt wurde. Und es dauert nicht lange, da ist auch Bienlein verschwunden...

Kritik: In "Tim und das Geheimnis des Goldenen Vlieses" machte man zaghaft von Fremdsprachen Gebrauch, um den Lokalkolorit wiederzugeben. So wurden diese nicht übersetzt, sondern untertitelt. Das gleiche machte man bei "Tim und die blauen Orangen" ebenfalls, allerdings wesentlich mehr. Und auch die spanischen Landschaften sind wunderbar getroffen. Als optischer Gag wurden zudem Zeichnungen aus den Comics mit integriert: in Mühlenhof hängt das Gemälde von Haddocks Vorfahre Frantz von Hadoque, von Hergé gezeichnet, und auch das Plakat mit Bianca Castafiore zeigt eine Hergé-Zeichnung.
Was den Rest betrifft... hm.

Die Prämisse des Films ist erstmal einer Tim-Geschicht würdig und es ist sicherlich eines der vielen Themen, die Hergé auch am Herzen gelegen sind: Eindämmung des weltweiten Hungers. Dann jedoch gleitet die Geschichte sehr ins Klamaukhafte ab und wirkt humoristisch arg übers Knie gebrochen. Stellenweise verhalten sich Figuren auch völlig daneben. An einer Stelle beispielsweise sind Schultze und Schulze von den Bösewichten an einander gefesselt worden, und anstatt ihnen zu helfen lacht Kapitän Haddock sie aus. Sicher, Haddock hat so seine Probleme mit den beiden Schul(t)zes (als in "Schritte auf dem Mond" die Sprache auf den Zirkus Hagenbeck kommt, lässt er beispielsweise eine Bemerkung fallen, Hagenbeck suche zwei Clowns, da kämen die Schultzes wie gerufen), aber hier verhält er sich einfach nur widerwärtig. Interessanterweise hat René Goscinny, der Autor von "Asterix", an dem Drehbuch des Films mitgewirkt, was leider kein Ruhmesblatt für ihn ist. Ehrlich gesagt kann ich nirgendwo Goscinnys "Handschrift" erkennen, ihn zeichnete ein anderer Humor aus. Interessant auch, dass Goscinny an diesem Tim-Film mitarbeitete, obwohl Asterix zu dem Zeitpunkt bereits einen gewissen Berühnmtheitsgrad erlangt hatte, was Hergé einige Magenschmerzen bereitete.

Nervig ist des weiteren, dass man nicht mitbekommt, wer denn nun hinter der Entführung steckt. Der "große Boss" meldet sich nur über Lautsprecher und man sieht nur seine minderbemittelten Handlanger. Das einzige, was mich am Ende noch mit dem Film einigermaßen hätte versöhnen können, wäre ein Auftritt eines Roberto Rastapopoulos in real gewesen. Aber auch die Chance ging vorbei. Dafür hat Bianca Castafiore einen (relativ sinnlosen) Kurzauftritt, in der sie zusammen mit Haddock Margarete und Mephisto gibt, um die spanische Polizei zu verwirren.

Es tut mir leid, dass ich diesem Film keine bessere Bewertung geben kann. Er ist wirklich nur was für die "richtigen" Fans, die ihre Sammlung vervollständigen wollen (in Belgien nennt man sie "Tintinophile"), allen anderen kann ich nur abraten. Die Geschichte beginnt stark, lässt dann aber genauso stark nach.

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