Sonntag, 9. Oktober 2011

Tim und Struppi: Die sieben Kristallkugeln [Rezension]



Dezember 1943 begann die Hergé mit einer neuen, längeren Geschichte, die allerdings insgesamt 4 Jahre bis zur Vollendung brauchen würde. Der Grund war der Krieg, Deutschland wurde zurückgeschlagen und die Repression der Nazis schlug um in ihr Gegenteil. Schwarz oder weiß – entweder, man war ein Nazi-Kollaborateur gewesen oder ein Widerstandskämpfer. Da Hergé für Le Soir gearbeitet hatte, war er automatisch zum Kollaborateur geworden. Er hatte aber Glück, Freunde zu haben, die seine humanistische Einstellung kannten und wussten, dass er kein Freund von Faschisten war. Von September 1944 bis September 1946 hatte Hergé Arbeitsverbot. Dank seines Freundes Raymond Leblanc änderte sich jedoch alles – Tim bekam sein eigenes Wochenmagazin: Tintin. Und die Geschichte konnte weitergehen.

Inhalt: Eine Expedition kehrt aus Südamerika zurück, nachdem sie dort ein Inkagrab gefunden und die Fundstücke nach Europa gebracht hat. Dann geschehen merkwürdige Dinge, ein Expeditionsmitglieder nach dem anderen fällt in einen kataleptischen Schlaf, der alle 24 Stunden um immer exakt die gleiche Uhrzeit durch einen psychotischen Anfall unterbrochen wird. Immer werden dabei neben den Opfern Kristallsplitter gefunden, die offenbar von einer kugelförmigen Ampulle stammen. Als als letzter Bienleins Freund Professor Hippolytos Birnbaum noch nicht betroffen ist, besuchen Tim, Haddock und Bienlein diesen. Er erzählt vom Fluch des Inka Rascar Capac, der sich offenbar an der Expedition erfüllt.

Kritik: Hergé unternimmt in diesem Doppelalbum einen Ausflug in die Welt des Okkulten, was die Geschichte teilweise sehr unheimlich macht (etwa wenn Haddock, Tim und Bienlein davon träumen, die Mumie des Rascar Capac würde in ihr Schlafzimmer eindringen). Gleichwohl hat die Geschichte aber auch ihre lustigen Höhepunkte und mit General Alcazar, der unter dem Namen Ramon Zarate im Varieté arbeitet, trifft Tim einen alten Bekannten wieder.

Die Geschichte bekommt einen besonderen Dreh, als Bienlein entführt wird, offenbar von den gleichen Leuten, die für den Zustand der sieben Forscher verantwortlich sind. Von da an tritt das Okkulte ein wenig in den Hintergrund und die Kriminalgeschichte in den Vordergrund, als es darum geht, die Entführer zu verfolgen. Mit der Spur, die nach Südamerika führt, endet schließlich das Album.

Zweifellos gehören die doppelbändigen Geschichten zu den besten der Reihe. Leider wird es nach “Die sieben Kristallkugeln” / “Der Sonnentempel” nur noch eine solche geben: “Reiseziel Mond” / “Schritte auf dem Mond”. Hergés Perfektionismus war inzwischen auf seinem Höhepunkt, er sammelte von überall her Informationen und Bilder. Seine Hauptinformationsquelle, zum Beispiel über fremde Völker wie die Inkas, war das “National Geographic”. Bei “Der geheimnisvolle Stern” hatten Kritiker ihm hämisch vorgeworfen, Haddocks Schiff wäre weder see- noch hochseetauglich. Er wollte nicht, dass ihm das nochmal passiert. Seinen Alben tat der Perfektionismus gut. So auch diesem.

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