Donnerstag, 6. Oktober 2011

Tim und Struppi: Der geheimnisvolle Stern [Rezension]



Oktober 1941: Schon einen Tag, nachdem das Abenteur “Die Krabbe mit den goldenen Scheren” seinen Abschluss fand, wurde der Auftakt für die neueste Geschichte veröffentlicht, der man wieder mehr die düstere Zeit anmerkte, in der sie entstand.

Handlung: “Aber das wäre ja dann…” – “Das Ende der Welt! Jawohl!” Nachdem Tim in einer extrem heißen Nacht einen neuen Stern im Sternbild des Großen Bären entdeckt hat und Kontakt mit Observatoriumsdirektor Johann Baptist Phossyl aufnimmt, erfährt er, dass der Stern in Wahrheit ein Meteor ist, der am nächsten Morgen mit der Erde zusammenstoßen wird. Doch der Weltuntergang findet nicht statt, der Meteor verfehlt die Erde, aber ein Stück von ihm landet im Polarmeer. Da auf ihm ein Element vermutet wird, dass es auf der Erde nicht gibt, wird eine Expedition ausgerüstet, um dieses Gestein zu bergen. Die Zeit drängt, denn schon ist eine von Bankiers aus Sao Rico finanzierte zweite Expedition unterwegs, die das Gestein weges seines Wertes holen soll.

Kritik: Das Album ist etwas düsterer als seine Vorgänger, was zweifellos dem Krieg geschuldet ist. Gleich zu Beginn der Geschichte wartet Hergé mit einem Paukenschlag auf: Das Ende der Welt soll gekommen sein. Andere düstere Elemente sind die Verwendung von Träumen, die als solche nicht erkennbar sind, der Auftritt eines gefährlichen Geisteskranken und die Ankunft auf dem Meteor selbst, mit Riesenschmetterlingen, Riesenspinnen und Riesenpilzen. Aber Kapitän Haddock, der das Schiff der Expedition kommandiert, hat sich gemacht. Weit entfernt von dem Alkoholwrack, das noch in “Die Krabbe mit den goldenen Scheren” ein Rettungsboot in Brand steckte, zeigt er sich zwar noch immer dem Alkohol zugeneigt, steht aber seinen Mann, wenn es darauf ankommt. Beispielhaft ist die Episode, als er während eines Sturms auf der Brücke steht und diesen als “nur eine Mütze voll Wind” bezeichnet und kurz darauf geistesgegenwärtig die Kollision mit einem anderen Schiff verhindert.

In diesem Band wollte Hergé wieder etwas Kapitalismuskritik anbringen: hier die europäische Expedition, die aus rein wissenschaftlichen Gründen nach dem Meteor sucht, auf der anderen Seite die Expedition aus Sao Rico, von Banken finanziert, die aus dem unbekannten Element Kapital schlagen möchte. Dass hier wieder ein fiktives Land ins Spiel kommt, liegt allerdings an einer Änderung, die erst später gemacht wurde. In der ursprünglichen Fassung stammte die Konkurrenz aus den USA.

Eine nicht ganz so heitere Geschichte mit vielen sehr düsteren Nuancen um einen (moralischen) Wettlauf, die allerdings, gerade was Kapitän Haddock betrifft, einige wichtige Entwicklungen enthält. Damit rangiert die Folge ungefähr im Mittelfeld, während die nächste Geschichte wieder einen Höhepunkt darstellt.

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