Dienstag, 10. Januar 2012

"Cokelores": Auf den Spuren des Kohlendioxids im Web

Da ich Freunde in Griechenland habe, schaue ich über Facebook hin und wieder nach, wenn diese irgendwelche Links veröffentlichen. Ich halte nichts von der Kampagne, die gewisse "Organe" der "Presse" gegen Griechenland fahren und ein ganzes Volk permanent mit Schimpfwörtern (wie "Pleite-Griechen") versieht. Ich möchte mich gern informieren, wie die Griechen selbst das sehen, was ihnen vor allem von Deutschen Medien gern als "selbst schuld" und "die haben halt über ihre Verhältnisse gelebt" eingeprügelt wird. Aber um all das geht es heute nicht.
Heute hat eine Freundin einen Link auf einem griechischen Blog veröffentlicht, in dem es um Coca Cola geht. Dem Google-Übersetzer sei dank bin ich in der Lage, solche Artikel zumindest einigermaßen zu verstehen. Dabei geht es um die Gesundheitsschädlichkeit von Cola. Nun gut, darüber muss man eigentlich nicht reden, Cola enthält Unmengen von Zucker und das mag unser Körper auf die Dauer nicht. Der Artikel versucht, die Wirkung von Cola auf den menschlichen Körper zu erklären, bevor er allerdings in einen Bereich abgleitet, den ich gar nicht mag: Mythen. Neben dem bereits bekannten (und widerlegten Mythos), dass Cola Zähne und Knochen komplett zersetzen könne, findet sich ein Abschnitt mit folgender Behauptung:

Μερικά παραδείγματα: Πριν μερικούς μήνες, έγινε ένας διαγωνισμός στο πανεπιστήμιο Delhi «Ποιος θα πιεί την περισσότερη Coke?» Ο νικητής ήπιε 8 μπουκάλια και πέθανε επί τόπου από την υπερβολική δόση «μελανικής διοξύνης» στο αίμα του και μη επαρκής οξυγονόσεως. Από τότε, ο πρύτανης απαγόρεψε τα αναψυκτικά από την καντίνα του πανεπιστημίου.

Ich bitte um Vergebung, dass ich den Original-Beitrag nicht verlinke, da ich (trotz Google-Übersetzer) nicht ganz schlau draus werde, was genau das für ein Blog ist und lieber vorsichtig bin. Es enthält neben kritischen Beiträgen über den Finanzmarkt und die derzeitige Krise auch einiges, das eindeutig der Szene der Verschwörungs-Theoretiker zuzuordnen ist. So ist es auch in diesem Artikel, was deutlich an dem kopierten Absatz zu sehen ist: Berichtet wird von einem Wettbewerb, den es angeblich an einer Universität in Delhi gegeben habe: "Wer kann am meisten Cola trinken?" Der Sieger habe 8 Flaschen getrunken und sei an einer "Kohlendioxid-Vergiftung" gestorben, weil er nicht mehr genug Sauerstoff im Blut hatte.

Im wahrten Sinne des Wortes stießen mir da mehrere Dinge auf:
  1. Acht Flaschen... mit welchem Volumen? Es macht einen Unterschied, ob man 0,33l- oder 2,0l-Flaschen austrinkt.
  2. Kohlendioxid-Vergiftung... durchs Trinken?
  3. Es gibt keinen Bericht aus einer einigermaßen vertrauenswürdigen Quelle (Nachrichten, Zeitung), der über den Tod des Studenten schreibt.
Schon seit einer Zeit, in der es noch kein Internet gab, kursierten verschiedene Gerüchte und Behauptungen über Cola. Menschen mit Ahnung (vulgo "Wissenschaftler") haben seither versucht, diese zu entkräften. Seither sammelt man solche Mythen unter dem Begriff "Cokelore" (auf Deutsch ungefähr "Cokelores" - ausgesprochen "couk'e-lohres" -, in Anlehung an das Wort "Kokolores", vermischt mit dem Namen "Coke"). In mir kam gleich der Verdacht auf, dass es sich bei der Geschichte ebenfalls um "Cokelores" handelt.

Ich musste etwas suchen, bin aber doch fündig geworden. Natürlich widerspricht Coca Cola dieser Darstellung selbst auf der eigenen Webseite, aber auch auf Webseiten, in denen es um den Wahrheitsgehalt von solchen Geschichten geht, wird das ganze als Unsinn widerlegt.

Die Lösung ist auch ganz einfach: Das Kohlendioxid, das sich in Cola (oder jedem anderen Softdrink) befindet, wird nicht über den Magen aufgenommen und kann daher auch nicht in den Blutkreislauf gelangen, wenn man größere Mengen solcher Getränke trinkt. Das einzige, was das verursacht, ist ein gewaltiger Rülpser. Kohlendioxid in Gasform ist gefährlich, wenn es in größeren Mengen eingeatmet wird. Es ist zum Beispiel bei Silounfällen Todesursache: In Silos vorhandene Biomasse fängt an zu gären und das dabei entstehende Kohlendioxid verdrängt den Sauerstoff. Ein Mensch, der sich dort aufhält, stirbt an Sauerstoffmangel - genau genommen stirbt er also nicht einmal an dem Umstand, zu viel Kohlendioxid eingeatmet zu haben, sondern daran, nicht genug Sauerstoff bekommen zu haben.

Noch ein interessanter Fakt: Eine Webseite, die sich um solche Mythen kümmert, schreibt, bereits 2003 auf diese Geschichte gestoßen zu sein, in der es konkret heißt, der angebliche Wettbewerb an der Universität in Delhi habe "vor zwei Monaten" stattgefunden. Der Artikel in dem griechischen Blog ist aktuell (vom 10. Januar 2012), und die Geschichte kursiert heute noch immer.

Natürlich ist gesundheitliche Aufklärung wichtig, und es ist auch wichtig darauf hinzweisen, was man seinem Körper unter Umständen antut, wenn man gezuckerte Softdrinks über längere Zeit regelmäßig trinkt. Aber leider schießt man dieser Idee selbst ins Knie, wenn man sie mit unwahren Geschichten vermischt. Das macht unglaubwürdig. Andererseits ist das wieder ein Anzeichen dafür, dass im 21. Jahrhundert die Menschen dringend in Medienkompetenz unterrichtet werden müssen. Sie müssen die Dinge mehr hinterfragen und den Mut haben, sich ihren eigenen Verstandes zu bedienen, damit sie merken, dass man manchen Geschichten etwas merkwürdig ist. Und wie sie mindestens eine zweite Quelle für eine Geschichte finden können, um einen anderen Standpunkt zu lesen. Ansonsten werden wir noch häufig die Behauptung lesen, dass 8 Flaschen Cola einen Menschen umbringen können.

Man, jetzt krieg ich echt Durst...


Quellen:

The Coca Cola Company: Myths and Rumors
Snopes.com: Cokelore - CO2 Fast 2 Furious - Student dies after drinking too much Coke too fast

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