Freitag, 4. August 1978

Kindheitshelden: Tim und Struppi und ich

Im Jahr 1978 machte ich Bekanntschaft mit einem besonderen Menschen, der alsbald ebenfalls zu den Helden meiner Kindheit gehören würde. Er hörte auf den merkwürdigen Namen "Tim". Merkwürdig deswegen, weil irgendwie nie klar wurde, ob das nun sein Vor- oder sein Nachname ist. Seine Freunde reden ihn mit dem Namen an, und Fremde ebenso, letztere sagen sogar "Herr Tim" zu ihm.

Die Rede ist natürlich von dem Comichelden Tim. Erfunden hat ihn der belgische Comiczeichner George Prosper Remi, besser bekannt unter dem Pseudonym "Hergé". Zu Tim gehört natürlich sein Hund Struppi, der ständig fluchende Kapitän Haddock, der "klein wenig harthörige" Professor Balduin Bienlein, sowie eine ganze Reihe weiterer Figuren, die uns in insgesamt 24 Comicalben mit auf Abenteuer der unterschiedlichsten Art nahmen.

Tim beeinflusste mich als Kind und Jugendlicher sehr. Natürlich ist er als Held eine Idealfigur, dennoch sprach mich seine Art an, wie er sich für die Schwachen einsetzte und gegen die Bösen kämpfte. Oder sein Kampfgeist, einfach mal etwas zu wagen. Sein wacher Verstand und sein unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Freundschaft. Und natürlich sein Mut. Ja, ich g ebe es zu, ich wollte auch so sein wie Tim.

Was mich auch sehr beeinflusste, war der Umstand, dass er Reporter war. Hier entstand bei mir der Wunsch, es ihm gleich zu tun, fremde Orte zu besuchen und sie durch Artikel und Berichte anderen Menschen nahe zu bringen. Oder Missstände aufzudecken. Der Wunsch, Geschichten zu erzählen, war bei mir schon entstanden, noch bevor ich überhaupt schreiben konnte. Tim und seine Abenteuer fokussierten den Drang in eine bestimmte Richtung: echte Geschichten schreiben!

Das Resultat war schließlich, dass ich der Schülerzeitung meiner Schule beitrat. Dann schien es mir ähnlich zu gehen, wie Hergé selbst: Er wollte auch Reporter werden, hatte aber für die Arbeit nicht das nötige Talent. Also empfahl man ihm, beim Zeichnen von Geschichten zu bleiben. Statt selber Reporter zu sein, könnte er doch einen erfinden! Einen, der alle möglichen Abenteuer erlebt. Das Ergebnis dieser Idee war natürlich Tim. Und auch ich blieb neben der beruflichen Laufbahn, die ich anstrebte, zunächst beim Schreiben von Geschichten, nicht von Reportagen.

Doch schließlich änderte sich das, als ich anfing, Rezensionen zu verfassen und über meine Erlebnisse im Europa-Park zu schreiben. Meine ersten Reiseberichte entstanden und mit Mitte 30 hatte ich dank des Internets tatsächlich das geschafft, was ich schon als Kind wollte - ich war Reporter geworden. Wie Tim.

Letztlich wurde es dann auch Zeit, einen Blick zurück auf diesen ganz besonderen Helden meiner Kindheit zu werfen. Anlass war ein neuer Film, der mich einen Blick zurück auf sämtliche Comics und andere Werke um Tim werfen ließ. Beim Lesen, wie die Geschichten selbst entstanden musste ich schon wieder feststellen, dass mir so manches bekannt vorkam. Zum Beispiel, wie man sich weiter entwickelt, wenn man bereit ist, immer weiter zu lernen.


Man findet die Artikel hier:


Die Abenteuer von Tim und Struppi - Helden meiner Kindheit
Tim im Lande der Sowjets
Tim im Kongo
Tim in Amerika
Die Zigarren des Pharao
Der blaue Lotos
Der Arumbaya-Fetisch
Die schwarze Insel
König Ottokars Zepter
Die Krabbe mit den goldenen Scheren
Der geheimnisvolle Stern
Das Geheimnis der "Einhorn"
Der Schatz Rackhams des Roten
Die sieben Kristallkugeln
Der Sonnentempel
Im Reiche des schwarzen Goldes
Reiseziel Mond
Schritte auf dem Mond
Der Fall Bienlein
Kohle an Bord
Tim in Tibet
Die Juwelen der Sängerin
Flug 714 nach Sydney
Tim und die Picaros
Tim und der Haifischsee
Tim und Struppi im Sonnentempel
Tim und das Geheimnis um das Goldene Vlies
Tim und die blauen Orangen
Tim und die Alpha-Kunst
Die Abenteuer von Hergé
Auf den Spuren von Tim und Struppi
Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der "Einhorn"


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen